Was kostet es, die Fassade streichen zu lassen?
Ein neuer Fassadenanstrich ist für die meisten Hauseigentümer eine Investition, die man nur alle paar Jahrzehnte tätigt. Entsprechend unsicher ist man bei der Frage, was ein fairer Preis ist. Dieser Ratgeber zeigt die aktuellen Richtwerte pro m², erklärt, wie Sie die Fassadenfläche selbst berechnen, und rechnet zwei Beispiele durch: ein Einfamilienhaus und ein Mehrfamilienhaus.
Alle Beträge sind Richtwerte aus Schweizer Kostenportalen, inklusive Material und Arbeit, exklusive MWST. Wir nennen bei jeder Zahl die Quelle und das Datum. Ein Festpreis ist keine dieser Zahlen: Den verbindlichen Preis liefert erst die Offerte eines Malerbetriebs, der Ihre Fassade gesehen hat.
Key Takeaways
- Der Anstrich einer verputzten Fassade kostet rund CHF 25–50 pro m² exkl. Gerüst (handman, 2026). houzy nennt für einen einfachen Anstrich mit Grundierung rund CHF 25–27/m² (Artikel von 2022).
- daibau rechnet für rund 200 m² Fassade mit Acrylfarbe inkl. Gerüst mit CHF 22–67/m² (aktualisiert 08.07.2026).
- Das Gerüst kommt meist separat dazu: houzy nennt CHF 10–25 pro m² Fassade (2023), daibau CHF 5.50–22.50/m² für Montage und Demontage bis 10 m Höhe (2025).
- Holz ist teurer als Verputz: Eine Lasur in zwei Anstrichen kostet laut daibau CHF 22–45/m², ein hölzerner Dachvorsprung CHF 26–57/m².
- Unser Beispiel-Einfamilienhaus mit rund 216 m² Streichfläche kommt auf CHF 9'400–19'900 exkl. MWST, inklusive Gerüst, zehn Fensterläden und Vorbereitung.
Preise pro m²: Was die Kostenportale sagen
Die drei grossen Schweizer Kostenportale kommen zu ähnlichen, aber nicht identischen Werten. Wichtig ist, genau hinzuschauen, was jeweils enthalten ist, vor allem beim Gerüst.
| Quelle | Leistung | Preis pro m² | Gerüst | Stand |
|---|---|---|---|---|
| handman.ch | Fassadenanstrich | CHF 25–50 | separat, ebenso Vorarbeiten | 2026 |
| houzy.ch | Grundierung und einfacher Anstrich, Altbau / Neubau | rund CHF 27 / rund CHF 25 | separat | 23.11.2022 |
| daibau.ch | Acryl-Fassadenfarbe, ca. 200 m² | CHF 22–67 | inbegriffen | 08.07.2026 |
| daibau.ch | 2 Anstriche Acryl, reine Anstrichposition | CHF 13.50–37.50 | nicht ausgewiesen | 08.07.2026 |
Für eine erste Budgetschätzung taugt die Spanne CHF 25–50/m² für den Anstrich, plus Gerüst. Der daibau-Wert inkl. Gerüst ist ein guter Plausibilitätscheck für das Gesamtpaket, lässt sich aber nicht direkt mit den Preisen ohne Gerüst vergleichen.
Pro m² liegt der Fassadenanstrich damit über einem Innenanstrich (Wände innen rund CHF 15–28/m²). Den grössten Unterschied im Budget machen aber Gerüst und Vorarbeiten, die bei der Fassade separat dazukommen. Die Innenpreise finden Sie in unserem Überblick Malerarbeiten Kosten Schweiz.
Kosten nach Untergrund und Farbsystem
Verputz
Die klassische verputzte Fassade ist der Normalfall und die Basis der Preise oben. Bestimmt wird der Preis vor allem vom Zustand: Ein gut haftender, sauberer Altanstrich braucht wenig Vorarbeit. Kreidet der alte Anstrich, blättert er ab oder ist der Verputz feucht, kommen Reinigung, Tiefgrund und Ausbesserungen dazu.
Holzfassade und Dachvorsprung
Holz ist aufwendiger: Es muss oft angeschliffen werden, und Lasuren dringen ins Holz ein, statt wie eine Deckfarbe darauf zu liegen. daibau nennt für eine Holzfassade mit Lasur in zwei Anstrichen CHF 22–45/m². Für das Streichen eines hölzernen Dachvorsprungs (Dachuntersicht) rechnet daibau mit CHF 26–57/m², für einen Dachvorsprung ohne Maurergerüst mit CHF 22.50–49.50/m². houzy schätzt den Holz-Dachvorsprung rund 10 % teurer als den normalen Fassadenpreis.
Faserzement (Eternit)
Fassaden aus Faserzementplatten lassen sich streichen, verlangen aber ein passendes Beschichtungssystem. Viel wichtiger ist die Frage nach dem Baujahr: In der Schweiz ist Asbest seit 1990 verboten. Die Suva empfiehlt, bei Gebäuden, die vor 1990 gebaut wurden, von Asbest auszugehen und eine mögliche Gefährdung vor Beginn der Arbeiten abzuklären. Gefährlich wird es, wenn asbesthaltige Materialien bearbeitet und dabei Fasern freigesetzt werden, zum Beispiel beim Reinigen oder Anschleifen. Solche Arbeiten gehören laut Suva in die Hände von Fachleuten. Ob asbesthaltige Platten überhaupt gestrichen oder besser ersetzt werden, kann die Rechnung komplett verändern: Klären Sie das vor der Offertanfrage.
Silikat, Silikonharz oder Acryl?
Für die Farbwahl gibt es keine Einheitsantwort. Entscheidend ist, was bereits auf der Wand ist, denn das neue System muss zum Untergrund passen:
- Silikatfarbe (Mineralfarbe) verbindet sich mit mineralischen Putzen, ist sehr diffusionsoffen und eignet sich für Kalk- und Zementputze. Auf alten Kunstharzanstrichen haftet reine Silikatfarbe schlecht; dafür gibt es Sol-Silikat- oder Dispersionssilikatfarben.
- Silikonharzfarbe ist wasserabweisend und trotzdem diffusionsoffen. Sie gilt als vielseitig und wird auf vielen Putzfassaden eingesetzt.
- Acryl- bzw. Dispersionsfarbe ist elastisch und deckt gut. Sie passt auf organische Untergründe und Altanstriche mit Kunstharz, ist aber weniger dampfdurchlässig.
Der Preisunterschied zwischen den Systemen ist im Vergleich zu Gerüst und Arbeitszeit meist klein. Sparen am falschen System rächt sich dagegen: Haftet der Anstrich nicht, blättert er nach wenigen Jahren ab. Lassen Sie sich in der Offerte das Produkt und die Anzahl Anstriche schriftlich nennen. Den Materialbedarf können Sie mit unserem Farbverbrauch-Rechner nachrechnen.
Gerüstkosten
Für einen Fassadenanstrich braucht es praktisch immer ein Gerüst, und es ist einer der grössten Posten. Zwei Schweizer Quellen geben Richtwerte:
| Quelle | Was ist enthalten? | Preis | Stand |
|---|---|---|---|
| houzy.ch (FR) | Baugerüst pro m² Fassade | CHF 10–25/m² | 12.11.2023 |
| daibau.ch | Lieferung, Montage und Demontage bis 10 m Höhe, meist inkl. der ersten 1–2 Wochen Miete | CHF 5.50–22.50/m² | 04.09.2025 |
| daibau.ch | Miete ab der dritten Woche | CHF 1.50–2.50/m² pro Woche | 04.09.2025 |
Die Standzeit zählt: Verzögert sich die Arbeit wegen Regen, läuft die Gerüstmiete weiter. Fragen Sie deshalb, wie viele Wochen im Gerüstpreis enthalten sind und was jede weitere Woche kostet. Steht das Gerüst auf dem Trottoir oder einer Strasse, braucht es in der Regel eine Bewilligung der Gemeinde; das organisiert normalerweise der Gerüstbauer. Und: Wenn ohnehin ein Gerüst steht, lohnt es sich, Dachrinnen, Spenglerarbeiten oder Fensterläden gleich mitzuerledigen.
Nebenkosten: Was oft nicht im m²-Preis steckt
- Fensterläden: Sie werden pro Stück abgerechnet. idpeinture.ch nennt für die Romandie CHF 100–250 pro Laden (2023), mesartisans.ch CHF 110–220 (Dezember 2022). Holzläden mit viel Lamellen liegen am oberen Ende.
- Fenster: houzy nennt für das Streichen von Holzfenstern innen und aussen rund CHF 180 (1-flügelig), CHF 250 (2-flügelig) und CHF 320 (3-flügelig), Artikel von 2022.
- Reinigung und Vorbereitung: Algen, Schmutz und lose Farbe müssen weg. houzy rechnet für die Fassadenvorbereitung mit etwa CHF 500 und für die Farbtonmischung mit etwa CHF 100 (Artikel von 2022). Bei Feuchteschäden kommt laut houzy eine Tiefgrundierung von CHF 600–800 pro 100 m² dazu.
- Risse und Ausbesserungen: Feine Haarrisse überbrückt ein guter Anstrich, breitere Risse und Putzschäden müssen vorher saniert werden. Der Aufwand lässt sich erst vor Ort beurteilen und steht deshalb oft als Regie- oder Eventualposition in der Offerte.
- Abdecken: Fenster, Boden, Pflanzen und Fahrzeuge müssen geschützt werden. Seriöse Offerten weisen das aus.
Für Zusatzarbeiten nach Aufwand gilt der Regieansatz. Der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) empfiehlt 2026 für einen Maler CHF 107.35 pro Stunde inkl. Werkzeug. Mehr dazu in unserem Artikel zum Maler-Stundensatz in der Schweiz.
Fassadenfläche berechnen
Bevor Sie Offerten vergleichen, lohnt es sich, die Fläche grob selbst zu kennen. Die Faustformel lautet: Umfang × Höhe + Giebelflächen − Öffnungen.
- Umfang × Traufhöhe: Umfang des Hauses mal Höhe vom Boden bis zur Dachtraufe.
- Giebel dazuzählen: Jedes Giebeldreieck ist Breite × Giebelhöhe ÷ 2.
- Öffnungen abziehen: Fenster, Türen und Garagentore. Wie genau abgezogen wird, legt der Malerbetrieb in der Offerte fest (Ausmassregeln). Kleine Öffnungen werden oft nicht abgezogen, weil die Leibungen zusätzlich Arbeit machen.
Die Bruttofläche vor Abzug der Öffnungen ist eine gute Richtgrösse für das Gerüst. Mit unserem Flächen-Rechner für Maler können Sie Wandflächen mit Abzügen schnell ausrechnen.
Rechenbeispiel 1: Einfamilienhaus
Annahmen wie in der Grafik: Grundriss 10 × 8 m, Traufhöhe 6 m, Satteldach mit 3 m hohen Giebeln, 12 Fenster (1,2 × 1,4 m) mit 10 Holzfensterläden, 2 Türen, Verputz in normalem Zustand. Streichfläche rund 216 m², Gerüstfläche rund 240 m².
| Position | Menge | Ansatz | Betrag (CHF) |
|---|---|---|---|
| Anstrich Verputz, exkl. Gerüst | 216 m² | CHF 25–50/m² (handman) | 5'400–10'800 |
| Gerüst | 240 m² | CHF 10–25/m² (houzy) | 2'400–6'000 |
| Fensterläden streichen | 10 Stück | CHF 100–250/Stk. (idpeinture) | 1'000–2'500 |
| Fassadenvorbereitung und Farbtonmischung | pauschal | ca. CHF 500 + ca. CHF 100 (houzy) | 600 |
| Total exkl. MWST | 9'400–19'900 | ||
| Total inkl. 8,1 % MWST | rund 10'150–21'500 |
Zum Vergleich: Mit dem daibau-Satz inkl. Gerüst (CHF 22–67/m²) kämen die 216 m² auf rund CHF 4'750–14'500, allerdings ohne Fensterläden und Vorbereitung. Die Spannen der Portale sind breit. Die tatsächliche Zahl hängt vor allem vom Zustand der Fassade und der Zugänglichkeit ab.
Rechenbeispiel 2: Mehrfamilienhaus
Annahmen: Grundriss 20 × 12 m, Flachdach, drei Geschosse mit 9 m Fassadenhöhe, 36 Fenster (1,2 × 1,4 m) mit Rafflamellenstoren statt Läden, ein Hauseingang (2,0 × 2,2 m), Verputz.
- Umfang: 2 × (20 m + 12 m) = 64 m
- Bruttofläche: 64 m × 9 m = 576 m² (Richtgrösse Gerüst)
- Öffnungen: 36 × 1,68 m² + 4,4 m² = rund 65 m²
- Streichfläche: rund 511 m²
| Position | Menge | Ansatz | Betrag (CHF) |
|---|---|---|---|
| Anstrich Verputz, exkl. Gerüst | 511 m² | CHF 25–50/m² (handman) | 12'775–25'550 |
| Gerüst | 576 m² | CHF 10–25/m² (houzy) | 5'760–14'400 |
| Total exkl. MWST | rund 18'550–39'950 | ||
| Total inkl. 8,1 % MWST | rund 20'050–43'200 |
Nicht eingerechnet sind Vorarbeiten wie Rissanierung, Balkonuntersichten, Geländer und die Sicherung von Storen. Bei einem Mehrfamilienhaus im Stockwerkeigentum gehört die Fassade zu den gemeinschaftlichen Teilen (Art. 712b Abs. 2 Ziff. 2 ZGB). Über den Anstrich entscheidet deshalb die Stockwerkeigentümergemeinschaft, bezahlt wird er oft aus dem Erneuerungsfonds.
Braucht es eine Bewilligung?
Wer die Fassade im gleichen oder einem sehr ähnlichen Farbton neu streicht, braucht in der Regel keine Baubewilligung. Anders kann es aussehen, wenn Sie den Farbton deutlich ändern. Viele Gemeinden regeln die Farbgebung in ihrem Baureglement, besonders in Kernzonen, bei geschützten Ortsbildern oder bei Baudenkmälern. Dort kann eine Bewilligung oder eine Farbbemusterung vor Ort verlangt sein. Die Regeln sind kantonal und kommunal verschieden. Fragen Sie deshalb vor der Farbwahl beim Bauamt Ihrer Gemeinde nach. Das kostet einen Anruf und erspart im schlimmsten Fall einen zweiten Anstrich.
Bei der Farbwahl selbst gilt: Dunkle Töne heizen sich in der Sonne stärker auf. Auf Aussendämmungen geben die Hersteller deshalb oft Mindestwerte für die Helligkeit (Hellbezugswert) vor. Lassen Sie sich grössere Farbmuster direkt auf die Fassade streichen und beurteilen Sie sie bei Tageslicht.
Wie lange hält ein Fassadenanstrich?
Eine feste Zahl gibt es nicht. houzy nennt für Putz eine Lebensdauer von 10 bis 25 Jahren und für eine umfassende Fassadenrenovation einen Zyklus von 30 bis 50 Jahren. Wie lange ein Anstrich hält, hängt von Farbsystem, Wetterseite, Dachvorsprung und Pflege ab. Die Wetterseite altert meist zuerst.
Zeichen, dass ein neuer Anstrich fällig ist:
- Die Farbe kreidet (weisser Abrieb an der Hand)
- Abplatzungen oder Blasen
- Algen- oder Pilzbefall, grüne oder schwarze Schlieren
- Risse, durch die Wasser in den Putz eindringt
- Stark verblasster Farbton an der Wetterseite
Lieber etwas früher streichen: Solange nur der Anstrich betroffen ist, bleibt es beim Malerauftrag. Ist erst der Putz durchfeuchtet, wird aus dem Anstrich schnell eine Fassadensanierung.
Die beste Jahreszeit
Fassaden werden in der Schweiz typischerweise von Frühling bis Herbst gestrichen. Entscheidend sind trockenes Wetter und die Mindesttemperatur für Luft und Untergrund, die der Farbhersteller im technischen Merkblatt angibt. Regen, Nebel, Frost in der Nacht und pralle Sonne auf der frisch gestrichenen Fläche schaden dem Anstrich. Gute Malerbetriebe sind für Frühling und Sommer früh ausgebucht. Wer im Winter die Offerten einholt, hat bei der Terminwahl die besseren Karten.
Offerten richtig vergleichen
Holen Sie zwei bis drei Offerten ein und vergleichen Sie nicht nur das Total. Achten Sie darauf, dass alle Offerten dasselbe enthalten:
- Fläche in m² und wie Öffnungen abgerechnet werden
- Farbsystem und Produkt, Anzahl Anstriche, Farbton
- Vorarbeiten: Reinigung, Grundierung, Rissanierung, Abdecken
- Gerüst: inkl. Montage, Demontage, Standzeit und Kosten pro Zusatzwoche
- Zusatzbauteile: Fensterläden, Dachuntersicht, Geländer, Garagentor
- Regieansatz für unvorhergesehene Arbeiten und MWST separat ausgewiesen
- Witterungsklausel und Termin
Eine sehr günstige Offerte spart oft bei der Vorbereitung oder rechnet das Gerüst separat ab. Wie eine vollständige Fassaden-Offerte aufgebaut ist, zeigt unser Beitrag Offerte Fassade streichen: Aufbau und Musterposten.
Für Malerbetriebe
Sie sind Maler und möchten Fassadenprojekte sauber kalkulieren? In Fassadenrenovation planen und kalkulieren finden Sie den Ablauf von der Bestandsaufnahme bis zur Schlussrechnung. Fertige Offerte-Vorlagen gibt es unter Offerte-Vorlagen für Maler. Mit Baunex erstellen Sie Offerten mit Flächen, Positionen und Gerüst in wenigen Minuten.



