Kurzantwort: drei Bausteine statt «eines besten Programms»
Wer nach der besten Software für einen Solarbetrieb fragt, meint meist drei verschiedene Aufgaben. Kein Werkzeug deckt alle gleich gut ab. Entscheidend ist, dass die Bausteine sauber zusammenspielen und keine Daten doppelt erfasst werden.
| Baustein | Wofür | Typische Lösungen |
|---|---|---|
| PV-Auslegung | Dachbelegung, Stringplanung, Ertragssimulation, Eigenverbrauch | spezialisierte PV-Planungsprogramme, Tools der Modul- und Wechselrichterhersteller |
| Auftragsabwicklung | Offerte, Projektplanung, Einsatzplanung der Montageteams, Zeiterfassung, Rapport, Rechnung | Handwerker- bzw. Betriebssoftware, z. B. Baunex |
| Buchhaltung / ERP | FIBU, Lohn, MWST-Abrechnung, Debitoren | Buchhaltungssoftware wie bexio, ERP wie Abacus |
Die Auslegung liefert die technischen Grundlagen (Anlagenleistung, Komponenten, Ertrag). In die Offerte gehören daraus die Positionen und Mengen. Ab dem Auftrag beginnt die eigentliche Projektplanung, und dort entstehen im Schweizer PV-Geschäft die meisten Verzögerungen.
Was der Schweizer PV-Ablauf von der Software verlangt
Eine PV-Anlage ist nicht nur Montage, sondern ein Verfahren mit dem Netzbetreiber. Nach den Werkvorschriften WV-CH 2025 (Ziff. 2.2) braucht jede Energieerzeugungsanlage im Parallelbetrieb und jeder elektrische Energiespeicher ein Technisches Anschlussgesuch (TAG). Daraus ergibt sich dieser Ablauf:
- Anfrage, Besichtigung, Auslegung – Dachdaten, Fotos und Verbrauchsangaben zum Projekt ablegen.
- TAG beim Netzbetreiber – vor der verbindlichen Bestellung. Auflagen des Netzbetreibers (z. B. Leistungsbegrenzung, Steuerung) können die Kalkulation verändern.
- Offerte und Auftrag – mit Varianten (z. B. mit und ohne Speicher) und klarer Preisart.
- Installationsanzeige – innert 6 Monaten nach dem TAG, sonst verfällt das TAG (WV-CH 2025, Ziff. 2.2).
- Material, Montage, Elektroanschluss – Dachteam und Elektrikerin bzw. Elektriker einplanen, Stunden und Material pro Projekt rapportieren.
- Sicherheitsnachweis mit Mess- und Prüfprotokoll – Voraussetzung für den Netzparallelbetrieb (ESTI-Weisung 220).
- Inbetriebnahme, Übergabe, Rechnung – Unterlagen an die Kundschaft, Schlussrechnung, allenfalls Akonto-Abzüge.
Bei grösseren Anlagen meldet der Netzbetreiber neue Erzeugungsanlagen ab 50 kW Wirkleistung dem ESTI (Art. 33 Abs. 1bis NIV). Für Ihre Projektplanung heisst das: Jeder Schritt hat einen Status, eine Frist und Dokumente. Eine Software, die nur Termine kennt, reicht dafür nicht.
Offerte: Was die Software für PV-Offerten können muss
- Positionen aus der Auslegung übernehmen – Module, Wechselrichter, Speicher, Unterkonstruktion, Montage, Gerüst, AC-Anschluss, Meldewesen. Ohne Abtippen.
- Varianten als Eventualpositionen – Speicher, Ladestation oder grössere Leistung als Option, die nicht ins Total einfliesst.
- Preisart klar ausweisen – Pauschale, Richtpreis oder Regie. Der Unterschied ist rechtlich relevant: Beim Festpreis tragen Sie den Mehraufwand (Art. 373 OR), beim Kostenansatz kann die Kundschaft bei unverhältnismässiger Überschreitung zurücktreten (Art. 375 OR). Mehr dazu unter Einheitspreis, Pauschale oder Regie.
- MWST separat – Zwischensumme, 8,1 % MWST und Total (ESTV, Normalsatz seit 1.1.2024).
- «Gültig bis» – Mit einer Annahmefrist sind Sie bis zu deren Ablauf gebunden (Art. 3 OR). Bei schwankenden Komponentenpreisen ist eine kurze Frist sinnvoll. Hintergrund: Ist eine Offerte rechtlich bindend?
- Nachträge – Verlangt der Netzbetreiber nach dem TAG Anpassungen, gehören die Mehrkosten in einen Nachtrag, bevor Sie ausführen.
Projektplanung: Teams, Fristen, Dokumentation
- Projektstatus mit Fristen – TAG eingereicht, TAG bewilligt, Installationsanzeige, Montage, SiNa, Inbetriebnahme. Die 6-Monats-Frist des TAG sollte sichtbar sein.
- Einsatzplanung über mehrere Baustellen – Dachmontage und Elektroanschluss sind oft verschiedene Teams. Wer wann wo arbeitet, gehört in einen gemeinsamen Plan, den die Monteure auf dem Handy sehen.
- Zeiterfassung und Rapport pro Projekt – Stunden, Material und Fotos direkt vom Dach. Daraus entsteht die Nachkalkulation: Hat die Anlage die offerierte Marge gebracht?
- Dokumente am Projekt – TAG-Entscheid, Installationsanzeige, Sicherheitsnachweis, Mess- und Prüfprotokoll und Übergabefotos an einem Ort statt in Mailordnern.
- Vom Rapport zur Rechnung – Rapportierte Leistungen und Akontozahlungen fliessen in die QR-Rechnung, ohne dass jemand Positionen neu erfasst.
Checkliste zur Auswahl
- Übernimmt die Software Positionen und Mengen aus Ihrem Auslegungsprogramm oder aus Vorlagen?
- Lassen sich Varianten (mit/ohne Speicher) als Optionen offerieren?
- Bildet die Projektplanung Status und Fristen ab (TAG, Installationsanzeige, SiNa)?
- Sehen Ihre Monteure Einsätze, Pläne und Fotos auf dem Handy?
- Werden Stunden und Material pro Projekt erfasst und mit der Offerte verglichen?
- Entsteht die QR-Rechnung direkt aus Offerte und Rapport?
- Gibt es eine Schnittstelle zu Ihrer Buchhaltung, damit Kunden und Rechnungen nicht doppelt erfasst werden?
- Wo liegen die Daten, und nach welchem Datenschutzrecht werden sie bearbeitet?
Abacus, bexio, Baunex: wofür welches Programm steht
- Abacus ist ein ERP mit FIBU, Baulohn, Kostenrechnung und Auftragsabwicklung in einem System. Abacus passt, wenn Sie diese Bereiche ohne Schnittstellen integriert wollen, mehrere Firmen führen oder Ihr Treuhandbüro mit Abacus arbeitet. Die Einführung läuft in der Regel über einen Abacus-Partner. Details im Vergleich Baunex und Abacus.
- bexio ist eine Business-Software für KMU mit Buchhaltung, Offerten und Rechnungen. bexio passt, wenn Buchhaltung und MWST-Abrechnung im Vordergrund stehen. Preise laut bexio ab CHF 35/Mt. im Jahresplan bzw. CHF 45 monatlich für Basic mit 1 Benutzer (geprüft 26.09.2026). Mehr im Vergleich Baunex und bexio.
- Baunex verbindet Offerte, Projekt- und Einsatzplanung, Zeiterfassung, Rapport und QR-Rechnung in einer Software, im Browser und als App für iOS und Android. Kunden, Rechnungen und Belege lassen sich über die bexio-Schnittstelle synchronisieren. Hosting in der EU (Frankfurt), Datenschutz nach revDSG/DSGVO. Preise: Starter ab CHF 24, Pro ab CHF 34 pro Benutzer und Monat im Jahresabo (monatlich CHF 29 bzw. 39), exkl. MWST. Die Funktionen für PV-Betriebe zeigt die Seite Solarsoftware für PV-Installateure, die Planung der Montageteams die Einsatzplanung.
Viele Solarbetriebe kombinieren deshalb: Auslegung im PV-Planungsprogramm, Offerte bis Rechnung in der Betriebssoftware, Buchhaltung in bexio oder Abacus. Prüfen Sie vor dem Entscheid, welche Schnittstellen es zwischen den Bausteinen gibt.

